09.06.2026

Chronik

Chronik

Geschichten hinter den Bergnamen…

Du kennst den Gipfel – aber kennst du auch seinen Namen?

Über weite Teile Tirols hinweg wurde lange Zeit Romanisch gesprochen. Erst mit der Zuwanderung der Bajuwaren und Alemannen ab dem 6. Jahrhundert begann eine schrittweise Vermischung der Sprachen. Aufgrund der erst im Hochmittelalter einsetzenden dauerhaften Besiedelung des Ötztales verlief dieser Prozess hier verzögert und weniger intensiv.
Bis heute zeigt sich daher ein deutlicher romanischer Einfluss, besonders in der Flur- und Bergnamenlandschaft. Namen wie Similaun, Finail oder Ramol zählen zu den bekannten Beispielen.
Charakteristisch für die Ötztaler Alpen ist zudem die außergewöhnlich häufige Verwendung des Begriffs „Kogel“, der im Ötz- und Pitztal besonders verbreitet ist. Der Ort Sölden wird nahezu vollständig von Kögeln umrahmt. Oftmals wurden Flurnamen aus tiefer gelegenen Gebieten übernommen und durch den Zusatz „Kogel“ auf den jeweils darüber liegenden Gipfel übertragen.

Judith Jambor geht in ihrem Werk „Die Bergnamen Tirols“ der Herkunft und Bedeutung alpiner Gipfelnamen nach. Der zweite Band widmet sich unter anderem den Ötztaler Alpen, aus denen drei bekannte Gipfel näher vorgestellt werden.

Beitrag aus dem NederBlick | Ausgabe Nr. 95 | Juni 2026
1/1

Gaislachkogel 3056m

Im Atlas Tyrolensis von 1774 wird der Berg als Gaislacher Kogl bezeichnet. In Tirol gibt es unzählige Ortsbezeichnungen mit „Gais“ (z.B. Gaisberg bei Gurgl), deren Namen auch von der Geiß hergeleitet sind. Anders ist die Herleitung beim Gaislachkogl. Der Gaislachkogel erhebt sich über dem Weiler Gaislach, welcher eine der frühesten Siedlungen (möglicherweise DIE früheste) im Hinteren Ötztal war. Bereits 1406 ist eine Urkunde mit dem Namen „Geyselher“ belegt. Der Hof- oder Besitzername enthält den althochdeutschen Namen „Giselher“. Die Abwandlung über die Jahrhunderte durch Verkürzung, Vereinfachung, Lautverschiebung usw. formte die heutige Bezeichnung. Zum Namensursprung passt auch die unterschiedliche Aussprache: Während die Geiß und der Gaisberg im Dialekt mit „oa“ ausgesprochen wird (Goas, Goasbarg), sagt niemand Goaslachkogl sondern eben Gaislachkogl. Der Hof in Gaislach dürfte im Mittelalter ein Einzelhof gewesen sein.

1/1

Finailspitze 3514m

Im Atlas Tyrolensis wird der Berg als „Fineil Spiz“ bezeichnet. Die Finailspitze liegt an der Staatsgrenze zu Italien oberhalb des gleichnamigen Finailtales, in dem sich auch der bekannte Finailhof in Südtirol befindet. Der Name geht auf das romanische Wort „fenile“ (Heuboden) zurück. Nach der Übernahme ins Bairische kam es zu mehreren phonetischen Veränderungen, bis sich schließlich der heutige Name Finail herausbildete.

1/1

Hinterer Seelenkogel 3470m

Der Name Seelenkogel hat nichts mit der menschlichen Seele zu tun, sondern bedeutet Kogel beim Seelein. Gemeint sind jedoch nicht die kleinen Karseen knapp unterhalb des Gletschers, denn sie waren zur Zeit der Namensgebung noch eisbedeckt. Der Name geht vielmehr auf den Langtaler Eissee (auch Gurgler Eissee) zurück, der sich im 18. und 19. Jahrhundert im Langtal am unteren Rand des Langtalferners durch Eisstau wiederholt bildete und immer wieder auslief. Heute existiert er nicht mehr. Die Schreibform Seelenkogel entstand aus der Verschriftlichung der Mundartform von Seelein („Seale“, „Seable“). Der Vollständigkeit halber seien auch Vorderer und Mittlerer Seelenkogel genannt. Für Letzteren war in den 1870er und 1880er Jahren auch die Bezeichnung „Wallseespitz“ gebräuchlich. Der erwähnte Eissee war der Wallsee – der See hinter dem Wall.